• Yvonne Thoonsen

Impfungen beim Hund - wann sollte ich meinen Hund warum, womit impfen


Bernersennen Rüde 13 Wochen alt

Ziel & Prinzip von Schutzimpfungen

Schutzimpfungen gegen spezielle Infektionskrankheiten haben in erster Linie das Ziel, den Ausbruch von Erkrankungen zu verhindern und das Risiko von Sekundärerkrankungen zu verringern. Gleichzeitig wird die Erregerausscheidung verhindert bzw. stark reduziert, so dass die Erregerausbreitung stark eingeschränkt wird. Mit einer Impfung schützen Sie also nicht nur Ihren eigenen Hund.

Natürlicherweise reagiert der Körper gegen in der Umwelt vorhandene Fremdkörper (Antigene) durch die Bildung spezifischer Antikörper. Dadurch bildet der Organismus eine Grundimmunität aus. Dies kann als natürliche aktive Immunisierung bezeichnet werden.

Durch eine „künstliche“ aktive Immunisierung mittels Impfung wird sowohl die spezifische als auch die unspezifische Immunabwehr des Impflings als Reaktion auf die in dem Impfstoff enthaltenen Antigene (z.B. Mikroorganismen) angeregt. Dadurch wird ebenso wie durch eine natürliche Infektion eine gezielte, langanhaltende und stabile Immunität (Immunabwehr) hervorgerufen.


So oft wie nötig, so wenig wie möglich!


Core- und Non-Core-Impfungen

Es wird zwischen sogenannten Pflichtimpfstoffen (Core-Vakzinen) und Wahlimpfstoffen (Non-Core-Vakzinen) unterschieden. Während die Pflichtimpfungen als absolutes „Muss“ zu verstehen sind, um die Hundepopulation vor verlustreichen Epidemien zu schützen, richtet sich die Notwendigkeit der Wahlimpfungen nach Alter und Konstitution des Tieres, dem jeweiligen Infektionsrisiko sowie Faktoren wie Haltungs- und Umweltbedingungen.

Die empfohlene jährliche Gesundheitsberatung einschließlich Impfberatung in der Tierarztpraxis dient der Ermittlung eines individuellen Impfprogramms. Bei jeder Impfung sowie bei der Festlegung des entsprechenden Impfintervalls (Auffrischungsimpfung) sind die individuelle Gefährdung des Impflings sowie die epidemiologischen Gegebenheiten zu berücksichtigen.


Impfstofftypen

Lebendimpfstoffe

Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte, aber noch vermehrungsfähige Erreger. Diese können bei gesunden Tieren keine Erkrankung auslösen. Ihr großer Vorteil ist, dass sie eine echte Krankheit sozusagen im „Kleinen“ ohne Symptome erzeugen und daher eine gute und langanhaltende Immunität erzielen. Ihr Nachteil ist, dass es in sehr seltenen Fällen und zumeist nur bei Tieren mit einem Immundefizit zu Nebenwirkungen und Krankheitserscheinungen kommen kann.

Lebendimpfstoffe wirken in der Regel effizienter als Totimpfstoffe.

Totimpfstoffe (Inaktivierte Impfstoffe)

Totimpfstoffe enthalten abgetötete Erreger oder lediglich Bruchstücke des Erregers (Antigene). Es existieren auch Impfstoffe, die nur den biologisch inaktiven Bestandteil (Toxoid) des Toxins eines Erregers enthalten (z. B. das Tetanus-Toxoid). Diese zählen ebenfalls zu den Totimpfstoffen. Außerdem enthalten Totimpfstoffe, da sie einen geringeren immunogenen Effekt haben, immer sogenannte Trägersubstanzen (z.B. Adjuvantien), die für eine ausreichende Immunreaktion sorgen.

Kombinationsimpfstoffe

Kombinationsimpfstoffe enthalten Antigene oder Antigenbruchstücke mehrerer Erreger. Der Vorteil von Kombinationsimpfstoffen liegt vor allem darin, dass das Tier nur einmal zum Tierarzt gebracht und „gepiekt“ werden muss.


Grundimmunisierung & Wiederholungsimpfung

Zur Ausbildung einer langanhaltenden Immunität ist in den meisten Fällen eine Grundimmunisierung notwendig, die aus mehreren Impfungen im Abstand von jeweils etwa vier Wochen besteht. Durch den wiederholten Kontakt und die sich daran anschließende Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Erreger wird die Immunabwehr in die Lage versetzt, auf eine spätere natürliche Infektion schneller und gezielter zu reagieren. Deshalb entwickeln geimpfte Tiere keine oder sehr viel mildere Krankheitssymptome.

Um den Schutz (Immunität) langfristig aufrecht zu erhalten, müssen in regelmäßigen Abständen Auffrischungsimpfungen (Booster-Impfung) erfolgen. Die Impf-Intervalle sind zum einen von der jeweiligen Krankheit und zum anderen vom verwendeten Impfstoff abhängig. Es müssen aber auch die lokale Seuchensituation sowie die individuellen Risiken des Hundes durch Umwelt- und Haltungsbedingungen berücksichtigt werden.


Grundimmunisierung bereits im Welpenalter

Nach Möglichkeit sollte die Grundimmunisierung bereits im Welpenalter erfolgen. Die meisten Impfungen können ab einem Alter von 8 Lebenswochen erstmalig verabreicht werden. Nach heutigen Erkenntnissen empfiehlt sich die grundimmunisierende Impfung in der 8. / 12. und 16. Woche durchzuführen, da in der 8.-10. Woche noch vermehrt mütterliche Antikörper im Blut zirkulieren können, die den Impferfolg beeinträchtigen könnten.




Mütterliche Antikörper bei Hund und Katze

In den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt sind die Welpen in der Regel durch Antikörper geschützt (passive Immunität), die sie von der Mutter und über das Kolostrum (Biestmilch) mitbekommen haben. Deshalb sollte die Hündin vor der Trächtigkeit noch einmal gegen alle relevanten Infektionskrankheiten geimpft werden, um den Welpen möglichst viele Antikörper und auf diesem Wege einen großen Schutz mitzugeben. Während der immunologischen Lücke sind die Welpen für Infektionen besonders anfällig. Die passive Immunität durch die mütterlichen Antikörper nimmt im Laufe der ersten Lebenswochen kontinuierlich ab, weil sich die Konzentration der Antikörper verringert. Die Dauer der passiven Immunität ist zum einen von der anfänglichen Antikörperkonzentration abhängig. Zum anderen erkennt das Immunsystem mit zunehmender Reifung die mütterlichen Antikörper als „fremd“, so dass sie nach und nach von der Immunabwehr des Welpen abgebaut werden. Die passive Immunität hält je nach Infektionskrankheit zwischen einigen Tagen und wenigen Wochen an. Auf jeden Fall verringert sie sich innerhalb der ersten zwei Monate erheblich. Allerdings doch meist nicht so viel, dass eine aktive Immunisierung mit herkömmlichen Impfstoffen durchgeführt werden kann (Refraktärzeit). Die Impfstoffe würden durch die mütterlichen Antikörper sofort neutralisiert werden. Daher ist eine aktive Immunisierung zumeist erst nach dieser Refraktärzeit möglich. Zudem benötigt der Organismus auch etwas Zeit, bis er nach der Impfung eine wirksame Immunität aufgebaut hat. Diese Phase niedriger mütterlicher Antikörperkonzentration und der nach einer Impfung langsam ansteigende Spiegel körpereigener Antikörper wird immunologische Lücke genannt. Während dieses Zeitraumes ist das Risiko für Infektionen besonders groß.

Gegen Staupe, Hepatitis und Parvovirose schützen die Impfstoffe vieler Hersteller bereits ab einer Woche nach Impfung. Die Impfstoffe gegen Staupe und Parvovirose können darüber hinaus bereits ab einem Alter von 4 Lebenswochen verabreicht werden, was in Zuchten, die mit diesen tödlichen Erkrankungen häufiger zu tun hatten, oder bei Welpen aus dem Ausland durchaus Sinn machen kann.


Risiken & Nebenwirkungen der Impfung

Seit dem 18. Jahrhundert sind Impfungen das Mittel der Wahl zum Schutz vor bakteriellen und viralen Infektionskrankheiten. Aber wie alles im Leben, besitzen auch Impfungen nicht nur Vorteile, sondern auch gewisse Risiken. So können Impfungen in sehr seltenen Fällen Nebenwirkungen verursachen. Ein völlig risikofreier Impfstoff existiert nicht. Jedoch ist der Nutzen einer Impfung zweifelsfrei wesentlich größer als das damit verbundene Risiko.

Deshalb sollten aktive Impfungen nur bei gesunden Tieren durchgeführt werden, um eventuelle Komplikationen nach Möglichkeit zu vermeiden. Komplikationen können sich nämlich u.a. dadurch ergeben, dass Impfungen während der Inkubationszeit (Zeitraum zwischen Infektion und dem Auftreten erster klinischer Symptome) vorgenommen werden. Generell kommen im Zusammenhang von Impfungen stehende Komplikationen wie Impferkrankungen, Allergien, Impfdurchbrüche und Impfschäden jedoch sehr selten vor.

Die in manchen Impfstoffen enthaltene Trägersubstanzen (z.B. Adjuvantien) können in seltenen Fällen Entzündungsreaktionen an der Impfstelle mit anschließender lokaler Abszessbildung hervorrufen. Injektions-assoziierte Fibrosarkome (Tumore an Injektionsstellen), wie sie bei Katzen vorkommen können, sind beim Hund sehr selten. Ausschlaggebend ist vermutlich das mit der Injektion einhergehende Trauma. Außer an Impfstellen wurden Fibrosarkome auch nach der Injektion von beispielsweise Langzeitantibiotika und Depot-Steroiden beobachtet. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen einzelnen Impfstoffen oder Kombinationsvakzinen konnte bislang nicht nachgewiesen werden.

Achtung: Es ist festzuhalten, dass der Nutzen einer Impfung um ein Vielfaches größer ist als das vergleichsweise sehr geringe Risiko einer seltenen bedeutenden Impfreaktion.

© 2019 Tierarztpraxis Yvonne Thoonsen